Aktuelles


„Bergbaukultur in Westfalen – was bleibt?“

Tagung der Volkskundlichen Kommission für Westfalen und des Bergbaumuseums Ibbenbüren

29. bis 30. März 2019

Westfalen ist ein altes Bergbauland. Hier stand die Wiege des Ruhrbergbaus, doch wurde in Westfalen nicht nur Steinkohle gefördert. Der Abbau von Erzen und anderen Mineralien reicht bis in die Vorgeschichte zurück, und er wird auch das Zeitalter der Kohle überdauern. Die Beiträge der Tagung geben exemplarische Einblicke in Stand und Perspektiven der montanen Überlieferung Westfalens. Dabei reichen die Themenfelder von der Zeitzeugenbefragung über die Denkmalpflege und Hausforschung bis zur musealen Sammlung und Vermittlung.

Weitere Informationen sowie das Tagungsprogramm finden Sie hier.


"Aprilsonne und Jugendfreundschaften haben selten lange Halt"

LWL-Volkskundler stellen zum Weltwettertag Bauernregeln vor

22.03.2018

Westfalen (lwl). Ein Blick auf die Wettervorhersage ist bei der Planung von Ausflügen am Wochenende oder Radtouren nach Feierabend selbstverständlich. Was vor knapp 500 Jahren nur in Bauernregeln oder sehr lokal in Form von meteorologischen Flugblättern publik gemacht wurde, lässt sich heute leicht in Wetter-Apps nachlesen. Den Weltwettertag der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Samstag (23.3.) nehmen die Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum Anlass, einige Bauernregeln aus dem Volkskundearchiv vorzustellen.

Bevor die Meteorologie wissenschaftlich fundierte Aussagen über Klima und Wetter ermöglichte, stützten sich Vorhersagen auf Beobachtungen, die in Kalendern oder in Form von Merksätzen festgehalten oder mündlich weitergegeben wurden. "Als Wetterpropheten galten unter anderem Schäfer, die sich bei ihren Prognosen auf Wind, Wolken, Luftveränderungen und das Verhalten der Schafe stützten", erklärt Kim Wessel, die die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln aus Westfalen im Archiv der Volkskundlichen Kommission untersucht hat. Daran angelehnt ist auch die in Hennen (Märkischer Kreis) verzeichnete Redensart "De Schöper hödt" ("Der Schäfer hütet"), wenn die wie Schafe aussehenden Lämmerwolken am Himmel zu sehen waren.

Festgehalten wurden die Wetter- und Klimabeobachtungen oft in Form von Bauernregeln. "Bauernregeln waren weit verbreitet und zum Beispiel auch im antiken Rom und Griechenland oder in Vorderasien bekannt", so Wessel.

Bauernregeln lassen sich in drei Kategorien unterteilen: "Wetterregeln", die das Wetter der nächsten sechs bis zwölf Stunden vorhersagen, die "Witterungsregeln" als langfristige Vorhersagen und die "kalendergebundenen Klimaregeln", bei denen es um die durchschnittlichen jährlichen Witterungsabläufe geht. Eine Wetterregel ist beispielsweise "Ein Ring um den Mond, der Regen drin wohnt." Eine Witterungsregel lautet "Liegt nach Sonnenuntergang über Flüssen, Bächen und Wiesen ein dichter Nebel, so ist anhaltend schönes Wetter zu erwarten." In der Sammlung der Volkskundlichen Kommission finden sich auch ein paar Regeln, die aus dem Rahmen zu fallen scheinen. So heißt es, dass es in Lavesum (Kreis Recklinghausen) Regen gebe, "wenn man die sechs Kilometer entfernte Oberhauser-Rheinbahn hören könne. Hier zeigt sich, dass die Menschen ein gutes Gespür für Luftströmungen hatten, die nicht nur Regen brachten, sondern im Vorfeld auch eine veränderte Akustik", sagt Wessel.

Die kalendergebundenen Klimaregeln sind unter den Bauernregeln am häufigsten. Hierzu zählt die in Deutschland verbreitete Regel "April, April, der macht, was er will", die auf das oft wechselhafte April-Wetter hinweist. Doch nicht nur mit dem April, auch mit den übrigen Monaten im Jahresverlauf verbanden sich Regeln: "Auf viel Regen im Januar folgt ein nasser Frühling." "Wenn im Februar der Nordwind nicht will, kommt er sicher im April." "Donnert es im März, so schneit es wohl noch im Mai." "Viele Eicheln im September, viel Schnee auch im Dezember." Auch Festtage waren Eckpfeiler für Wetterprognosen, wie beispielsweise die Regel "Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee" oder "Grüne Weihnachten, weiße Ostern." "Die Regel 'Ist es in den ersten August-Wochen heiß, so bleibt es oft lange warm' haben wir in Deutschland aus dem vergangenen Jahr noch lebhaft in Erinnerung. Die Variante 'Kommt August mit großer Hitze, macht der Winter weiße Witze' hat sich dagegen 2018 nicht bewahrheitet", so Wessel.

"Ob die Bauernregeln überwiegend zutrafen, lässt sich schwer sagen. Denn über die Jahre und Jahrzehnte hinweg gab es teils gravierende Klimaverschiebungen, die den Beobachtungen der kalendergebundenen Klimaregeln nicht entsprachen. Die Bauernregeln sind also eigentlich Wahrscheinlichkeitsaussagen", erklärt Wessel. "Die umfangreiche Sammlung von Bauernregeln in der Volkskundlichen Kommission kann zwar nicht das Wetter der nächsten Tage vorhersagen, aber sie zeigt, wie viel Interesse unsere Vorfahren an dieser Frage hatten, waren sie doch weitaus mehr als wir heute vom Wetter abhängig."

Die Sammlungen von Bauernregeln befinden sich im Archiv der Volkskundlichen Kommission. Besuche sind täglich zwischen 9 und 16 Uhr nach vorheriger Anmeldung unter Tel.: 0251 83 24404 möglich.
 

Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org

Weitere Pressemitteilungen finden Sie hier.


Aktuelle Projekte

Ibbenbüren: Ein Bergbaurevier im Wandel

Mit dem Jahr 2018 endet der deutsche Steinkohlebergbau. Zu den letzten fördernden Zechen gehört das Bergwerk Ibbenbüren. Die Volkskundliche Kommission begleitet den Wandel im Ibbenbürener Revier. Mehr...

Hausfragen

Das Eigenheim war und ist für die meisten ein großer Lebenstraum. Doch in den vergangenen Jahren rückten die Grenzen und Probleme dieser Wohnform in die öffentliche Diskussion. Mehr...

100 Jahre genealogische Forschung in Westfalen

Im Jahr 2020 wird die „Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung“ (WGGF) ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum feiern. Aus diesem Anlass blickt das Projekt auf ein Jahrhundert genealogischer Forschung in Westfalen zurück. Mehr...